Tödliche Träume

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Aus dem Tagebuch von Lorinai Firngrimm:

Arkenstein, am 24. Tage des Phexmondes im 1012ten Götterlauf nach dem Falle Bosparans

Dem Zwölfgöttlichen Calendarium nach ist heute der Glückstag, ein minderer Feiertag des Phex. Doch abgesehen von den lausbübischen Streichen, die die naseweisen Bengel des Ortes uns heute traditionell wieder gespielt haben, scheint mir, als habe der listige Fuchs in einem Anflug von nachträglicher Winterruhe seinen eigenen hohen Tag verschlafen. Denn beglückend waren am heutigen Tage nur die zwei Humpen kellerkühles Angbarer Alt, die ich mir nach dem Dienst noch bei Paroscha im Krug gegönnt habe, und die Keilerei mit dem (jetzt noch ein bisschen mehr) kartoffelnasigen Flussschiffer Runkel, der meinte, mir in seinem Suff an den Arsch fassen zu müssen.

Ansonsten bleibt nur Betrübliches, mag sein gar Unheilvolles von diesem Praioslauf zu berichten. So hat mich der sonst stets so gnädige Traumbote Bishdariel bereits die dritte Nacht in Folge einem so schrecklichen Alpdrücken ausgesetzt, dass mir der Schlaf, so ich ihn denn überhaupt finden konnte, keine Erholung brachte. Die Träume, die mir der Alp in den letzten Nächten einhauchte, vermag ich kaum in Worte zu fassen, ohne dass mir ein Schauder den Rücken hinabläuft. Denn sie waren so lebhaft, dass ich schweißgebadet hochschreckte und nach meinem Schwert griff. Einmal war ich in Gefangenschaft geraten und in Erwartung von Folter und Tod; die nächste Nacht sank ich von Pfeilen durchsiebt tot zu Boden. Und immer ist da dieses beschwörerisch klingende doch unverständliche Flüstern und der Blick auf ein in Fluten von schwarzem Blut versinkendes Arkenstein…

Was mir bei der Angelegenheit die größten Sorgen bereitet, ist, dass es offenbar einem jedem Arkensteiner seit Tagen ergeht wie mir! Auf meinen heutigen Patrouillengängen blickte ich in zahlreiche vollkommen übernächtigte Gesichter, und auf ihren Zustand angesprochen berichteten die Nämlichen von Alpträumen, die den meinen teils bis ins Detail gleichen. Sogar die ortsansäßigen Angroschim, die ich abends im Krug antraf, berichteten in heller Aufruhr von solchen Alpträumen – und das, wo doch Angroschim eigentlich gar nie nicht träumen, wie jeder Pimpf weiß!

Doch damit nicht genug, denn die Alpträume haben scheint’s auf manche Leut‘ hier in Arkenstein noch weit schlimmere Auswirkungen, als sie nur um den wohlverdienten Schlaf des Göttergefälligen zu bringen. Auf meinem morgendlichen Rundgang, als ich mir im Burghof eben einen Eimer Wasser über den Kopf schüttete, um die Müdigkeit abzuwerfen, kam Ihro Gnaden Astor auf mich zu. Der Marbide wird selbst seit wohl zwei Wochen schon von einem Alp geplagt – und das als frommer Mann des Heiligen Raben! Er berichtete von einem Toten, den er mit zerschmetterten Gliedern am Fuß der Festungsmauer aufgefunden habe, und dass es sich bei dem Nämlichen wohl um den Schmied Gunnolfur handeln würde.

Im Burghof

Die Arkensteiner werden seit mehreren Nächten von unheilvollen Alpträumen heimgesucht. Doch damit des Unbills nicht genaug: der Marbide Astor meldet einen Leichenfund.

Just als ich den Herrn Astor gebeten hatte, mich stante pede zum Tatort zu führen, trat Cordo Bachennagel zu uns, seines Zeichens Fürstlicher Zollgreve und sich seines Standes nur allzu bewusst. Für meinen Geschmack übertreibt es Ihre Exzellenz Rondriane mit den Tugenden Travias bei dieser Beamtenseele bei Weitem. Ein zugiges Zimmer im Bergfried und viel blähende Kohlsuppe, dann wären wir den eitlen Stecken-Gecken längst los. Herr Cordo tat wie immer recht wichtig gegenüber dem Geweihten und ließ es sich einmal mehr nicht nehmen, mir aufzutragen, ihm einen Bericht über die Ermittlungen zukommen zu lassen. Unverzüglich natürlich…der blöde Bollerurmel.

Als ich gerade drohte, wegen des gschaftligen Gehabes des Greven überzuschäumen (was ziemlich unklug gewesen wäre) kamen Anie – nunmehr Medicinal-Korporal der Dorfgarde – und Ihro Gnaden Connor des Weges. Beide wussten ebenfalls von Alpträumen der beschriebenen Art zu berichten, und Herr Connor war auch schon dabei, diesen auf den Grund zu gehen. Ich konnte seinen Ausführungen, wie immer, wenn es um solch Zauberding geht, nicht recht folgen, doch redete er etwas von einer Zauberei, die wohl die ganze Luft hier in Arkenstein erfüllt und jedes Wesen durchdringt. Und die soll seiner Meinung nach der Grund dafür sein, dass uns alle der Alp heimsucht. Hluthar steh uns bei, wenn dem tatsächlich so ist!

Während sich der Greve in Richtung der Kommandantur empfahl, machten wir anderen uns endlich auf den Weg zum Tatort. Bei dem Toten handelte es sich tatsächlich um den Schmied Gunnolfur, und wie Herr Astor berichtet hatte, lag er mit vielfach zerschmetterten Gliedern am Fuße der Festungsmauer. Anie und ich waren uns nach Inaugenscheinnahme der Leiche und des Fundortes derselben sicher, dass er von der Mauer gestürzt sein musste und nicht etwa andernorts getötet hierher verbracht worden war. Wild spekuliert hingegen wurde über die Ursache des Sturzes. Doch beschlich mich die düstere Ahnung, die Herren Astor und Connor könnten recht haben, wenn sie behaupteten, die Alpträume hätten den unglückseligen Schmied in den Tod getrieben…

Inaugenscheinnahme des Tatorts

Am Tatort: Der Schmied Gunnolfur stürzte von der Festungsmauer. Haben ihn die Alpträume ihn in den Tod getrieben?

Wir verblieben so, dass Herr Astor sich höchstselbst der Obduktion des Leichnams annehmen wird, während Herr Connor intensive Nachforschungen bezüglich der Alpträume und der von ihm erspürten unheilvollen Zauberaura anstellen will. Anie und dem zwischenzeitlich hinzugekommenen Korporal Leon trug ich auf, herauszufinden, weshalb Gunnolfur des Nachts in der Festung war und wer ihn zuletzt lebend gesehen hatte. Alldieweil würde ich die Patrouillen instruieren, auf „Schlafwandler“, wie Herr Astor die im Schlafe Wandelnden nennt, zu achten. Denn sollte der Marbide recht behalten, könnte Gunnolfur nicht der Letzte sein, den die Alprtäume ein für alle Mal in Borons Reich getrieben haben…

Bardenkrug

Auch im „Bardenkrug“ das beherrschende Thema: die Alpträume, die offenbar jeden heimsuchen, der in und um Arkenstein lebt – selbst die Angroschim.

(ein Beitrag von Mithrandriel; Bilder: Mithrandriel)

Weitere Bilder vom Rollenspiel in Arkenstein findest Du auf Aikonos flickr.

 

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